Amsterdamned
Tier ist echt lecker
Da Mark den kürzesten Heimweg hatte, hat er auch unschlagbar schnell einen Bericht geschrieben, den ich hier aus dem Canoeweb zitiere:
Auf Wolfi's Anregung hin hatte ich beim Kanuverein Sloterplas angefragt, ob es da Übernachtungsmöglichkeiten gäbe, und wir sind mit offenen Armen empfangen worden! Andreas und das Team aus Unna konnten am Samstagnachmittag aufs Gelände und als ich am Sonntagmorgen kam, fand ich trotz des eher mäßigen Wetters eine gutgelaunte Gruppe Paddler vor.
Nach einer kurzen Lagebesprechung mit der Wasserkarte und Versorgung von Kais verletztem Daumen mit einem medizinischen Kondom (!) haben wir dann abgelegt Richtung Innenstadt. Wir waren vier Kanus, ein Jensen und ein Minnesota II mit Tandembesatzung, ein Indian Canoe Solo 13 und ein Advantage. Es war ziemlich schell klar, daß Andreas im Solo 13 einen schweren Tag vor sich haben würde, denn sein Boot war mit Abstand das langsamste. Gegen Ende haben wir ihn dann abgelöst, aber erst als ich selbst die letzen paar Kilometer in seinem Boot saß, ist mir klar geworden, was für eine gewaltige Leistung er an diesem Tag gebracht hat. Hut ab!
Vom Kanuverein ging es erst durch ein kleines Naturgebiet und dann über einige schnurgerade Kanäle Richtung Zentrum. Wider Erwarten gab es dann doch eine geschlossene Schleuse, die wir aber problemlos umtragen konnten. Dann kamen wir zum eigentlichen Grachtengürtel der Stadt, und Regen setzte ein. Erste Pause unter einer Brücke zum Regenjacken und Südwester anziehen. Als wir wieder weiterfuhren, nahm der Regen natürlich wieder ab...
Dann ging's kreuz und quer durch die Prinsengracht (vorbei am Anne-Frank-Haus), aus Versehen durch die Leliegracht, Keizersgracht, Brouwersgracht, Herengracht, Leidsegracht, Keizersgracht, Reguliersgracht, Herengracht, zur Amstel. An der Stopera vorbei zum Rokin und - zum Rotlichtviertel. Dort am Achterburgwal waren rund ein Uhr mittags nur wenige Damen aktiv, und es schien als wären die gar nicht so erbaut von unserem Auftauchen, den die Aufmerksamkeit des männlichen Publikums wandte sich zeitweise mehr unseren Booten als ihren körperlichen Rundungen zu.
Der Bootsverkehr war dem Wetter entsprechend relativ gering, vor allem Rundfahrtboote und kaum private Fahrzeuge. Die Rundfahrtboote nehmen beim Manövrieren allerdings nur wenig Rücksicht auf Kanus, so bin ich ein paar mal in den Schwall geraten, der mich ganz ordentlich zur Seite gedrückt hat.
Vom Achterburgwal ging's über die große Wasserfläche des Oosterdoks, wo wir am Technikmuseum 'Nemo' und direkt neben der 'Amsterdam', einem originalgetreuen Nachbau eines VOC-Schiffs aus dem 18. Jahrhundert, festmachten. Leider gab es keinen schönen und windgeschützten Platz von wo aus wir die Kanus im Auge behalten konnten, darum standen wir letztendlich in einer Ecke vor den Fenstern des Museumscafes, um unsere Brotzeit zu verzehren. Aber wir hatten auf der Herfahrt schon einen Steg mit Kneipe daneben entdeckt, und trösteten uns mit der Aussicht, dort dann noch mal auf ein Bierchen anhalten zu können.
Inzwischen hatten wir schon ca. 3/4 der geplanten Runde hinter uns, und weil uns noch nicht nach Rückweg war, haben wir spontan noch eine Schleife um den Zoo Artis eingebaut. Es zeigte sich aber, daß der Zoo doch vor allem von innen interessant ist, von außen deutlich weniger. Wieder zurück auf der Amstel, ging es vorbei an der 'Magere Brug' und rechts ab in die Singelgracht, Richtung Rijksmuseum und Leidseplein. Beim Holland Casino gab es sogar einige verlockende Kneipen mit Steg direkt am Wasser, die aber mehrheitlich mit Parkverbot belegt waren. Und die Wasserschutzpolizei war auch gerade da, um die Besatzung eines widerrechtlich geparkten Bootes zurechtzuweisen. So kamen wir wieder an unserem Anfangspunkt der Grachtenrundfahrt, dem Eingang zum Jacob van Lennepkanaal, von dort ging es wieder zurück durch die Außenbezirke zum Sloterplas.
Unterwegs machten wir noch Halt für das geplante Bier und tauschten Boote für die Weiterfahrt, um Andreas zu entlasten. An der Schleuse haben wir dann noch mal getauscht. So sind wir gegen fünf wieder am Gelände des Kanuvereins angekommen.
Im Innenstadtgebiet trafen wir nur zwei Seekajaks, und von der Kneipe aus sahen wir noch ein paar vorbeifahren, aber ansonsten sind in Amsterdam erstaunlich wenig Paddler unterwegs. Bei diesen Möglichkeiten eigentlich unbegreiflich. Auch die Ausstiegsmöglichkeiten sind für Kanadier nicht so begrenzt wie zuerst erwartet, die Kademauern sind nicht überall so hoch, und es gibt in regelmäßigen Abständen Stege der Wassertaxis. Ich fand die Amsterdamtour absolut lohnend, der Anblick der Stadt vom Wasser aus ist wirklich toll. Man hat eine bessere Perspektive als von der Straße aus, und es ist auf dem Wasser sehr viel ruhiger mit mehr Platz. Eine sehr schöne Art, die Stadt zu erkunden. Laut GPS sind wir übrigens ungefähr 29,1 Kilometer gefahren.
Am Kanuverein haben wir unter den Augen der niederländischen Gastgeber (Sonntag ist Vereinsnachmittag) dann noch ein bißchen Boote getestet und Kai und ich haben versucht, den Geschwindigkeitsrekord des Jensen zu brechen, aber das haben wir nicht geschafft. Kai hat eine Mordskraft und legt eine Paddelfrequenz hin, die sich gewaschen hat. Da komm' ich einfach nicht mit (hechel, keuch...). Danach ging's ans Abbrechen der Zelte und Einpacken. Nach einem kurzen aber herzlichen Abschied und Dankeschön an die Leute vom Kanuverein Sloterplas sind alle ins Auto gestiegen und gen Heimat gefahren. Ich hoffe, alle sind gut angekommen.
Für "Nachfahrer" (das kann ich nur empfehlen) ist auch ein GPS-Track bei mir erhältlich. Damit geht die Orientierung in den Grachten nicht verloren und die Kneipen mit Parkmöglichkeiten sind ebenfalls verzeichnet.
Ein paar Bilder gibts auch schon online:
