/Startseite/Paddelblog/Tagebuch/Moldau-Elbe-Gepäckfahrt

Tagebuch

18 April
2009

Moldau-Elbe-Gepäckfahrt

Normaler Weise bietet eine Gepäckfahrt zur Osterzeit ein gewisses Wetterrisiko, in diesem Jahr nicht. Fast ausschließlich Sonnenschein, teils sommerliche Temperaturen waren unsere Begleiter auf dem Weg von Prag nach Meissen.

Sechs Paddeltage waren wir unterwegs, wobei wir 10 Staustufen zu passieren hatten. Nach Jahren der Abstinenz war es sehr schön, wieder mal böhmische Gastfreundschaft, Gemütlichkeit und Essen zu genießen.

Nach einem Pragbummel durch die Altstadt übernachteten wir im Bootshaus des Wassersportzentrums in Trosky. Hier befindet sich der Slalomkanal von Prag. Am 6.4. wurden wir unterhalb der Schleuse von Sylke auf die Reise geschickt, sie fuhr das Auto zurück nach Dresden. Nach anfänglich bewegtem Wasser läuft die Moldau dann platt von Staustufe zu Staustufe. Die beiden Schleusen auf der ersten Etappe lassen sich leicht umtragen(jeweils kurzes Überseten von der Scheuseneinfahrt in das parallele Unterwasser). Nach 24km sichten wir das Gelände des Wassersportclubs Kralupy. Hier werden wir als erste Fahrtenpaddler des Jahres als Gäste begrüßt, was sich in einer kostenlosen Zeltübernachtung und einem kräftigen Begrüßungsschluck ausdrückt.
Am nächsten Tag fahren wir der Elbe entgegen. An der Schleuse Mireijovic sieht es schlecht mit dem Umtragen aus. Weit und breit kein Personal zu sehen aber eine Rufnummer!
Allerdings braucht man für das Handy, die Vorwahl?? Bevor wir zu Hause anrufen um Erkundungen einzuholen, kommt Hilfe in Form eines großen Schubschiffes. Nach der Schleuse paddeln wir 7km bis zum Wehr, an dem der Moldaukanal beginnt. Das Umtragen in die alte Moldau lohnt sich, flotte Strömung bringt uns der Elbe entgegen.





Nach kurzem Bummel durch Melnik fahren wir unserem Tagesziel in Libechov entgegen. Unser Zelt schlagen wir auf der Wiese unterhalb der Schleuse auf. Auch hier werden wir von den ortsansässigen Anglern freundlich begrüßt. Trinkwasser gibt es von der nahen Tankstelle.

Nach dem Einrichten des Lagers machen wir uns auf, um im Ort noch etwas zu Essen. Das erste Haus stellt sich als eine reine "Pivnice" herraus, also nur flüssige Nahrung. Auf die Frage nach einem Hostinec werden wir die Strasse weiter verwiesen. Wir landen am Residence-Hotel, einer feinen Adresse mit gestylten Ambiniente. Der Hunger läßt uns alle Hemmungen fallen und uns über die Schwelle treten. Auf die Frage nach einem Abendessen werden wir freundlich begrüßt und der Tisch auf der Terasse eingedeckt. Bei Rynsky Riesling und Laternenschein lassen wir es uns richtig gut gehen(Gänsekeule).
Am Morgen starten wir noch vor dem Frühstück zu einer kleinen Wanderung. In früheren Jahren habe ich in dieser Gegend mal eigenwillige Sandsteingebilde gefunden, die "Teufelsköpfe". Nach 3,5km Marsch finden wir den entscheidenden Wegweiser "Chertovy Hlavy". Nach einem kurzen Anstieg haben wir unser Ziel gefunden. Vor 150 Jahren hat sich in der Umgebung von Libechov ein Bildhauer an verschiedenen Objekten verewigt.

Wer den Rundwanderweg(blaue Markierung) vom Schloss aus läuft kann alle Sehenswürdigkeiten bewundern. Gegen Mittag paddeln wir Litomerice entgegen, wobei uns kurz vor der Schleuse in Kopisty eine schwarze Wand überrascht. Bei äußerst heftigem Sturm und Regenschauern kommen wir beim Ruderverein Litomerice an. Für 360 kcs. bekommen wir ein Zimmer. So bleibt uns das Trocknen des Zeltes am Morgen erspart, für uns wichtig, denn der Abschnitt nach Decin ist 50km lang. Bis Usti zieht sich der Weg noch hin, den die Fliesgeschwindigkeit ist auf Grund der 6m hohen Staustufe sehr gering. Zu unser ersten Pause am Gelände des Yachtclubs in Cirkowice wurden wir nicht nur von zahmen Bisamratten, sondern auch von freundlichen Wassersportlern überrascht. Bei Kaffee und Osterbrot haben wir uns gestärkt und über Gott und die Welt geklönt.
Nach der Schleuse Usti läuft das Wasser bedeutend besser, so dass wir gegen 17 Uhr in Decin sind. Schlecht sieht es mit einer Übernachtung aus, der erste Verein ist noch geschlossen, der zweite zeigt auf eine nahe Pension, die Gegend lädt auf Grund seiner Stadtnähe nicht gerade zum Zelten ein, die Uferwiesen sind bevölkert von Spaziergängern. Wir beschließen uns mit Vorrat einzudecken und unser Glück zwischen Decin und der Grenze zu versuchen. Da in diesem Abschnitt af der linken Seite ein Radweg angelegt wurde, sank unsere Zeltchanche auf 0.
Also weiter in Richtung Sachsen, vorbei an meinen geliebten Felsen. "Seid gegrüßt ihr stolzen Türme, ihr habt mir manchmal das letzte abgefordert!" Frohgelaunt geht es am Belvedere vorbei nach Schmilka, der ehemalige Campingplatz ist übersät von Treibgut, als weiter zu Ziegelscheune nach Krippen oder wollen wir gleich nach Königstein durchziehen? Nach einem kurzen Blick, sind wir uns einig und der Turbo wird gezündet. Wir fahren mit der Dunkelheit um die Wette. Vorbei an der Fähre in Schandau dem Lilienstein entgegen. In der Finsternis erkennen wir links das alte Fabrikgelände. Nach 76km haben wir unser Ziel erreicht. Unsere Bergfreunde Stephan und Golo staunen nicht schlecht, als wir aus der Dunkelheit auftauchen. Belohnung ist ein Ruhetag, den wir zu einem Ausflug zu den Weitzdorfer Aussichten nutzen, einem Punkt wo man den besten Panoramablick über die Sächs. Schweiz hat.
Am Ostersonnabend haben wir Verstärkung erhalten. Sylke und Horst paddeln mit uns gemeinsam nach Dresden, vorbei an der Festung, der Bastei, Pirna und dem Schloss Pillnitz. Auf dieser letzten Strecke muß man sehr vorsichtig sein, denn man überschreitet den "Äquator", was ja immer mit einer Taufe verbunden ist.
In Wachwitz deponieren wir die Boote für einen Tag. Am Ostermontag steigen wir wieder ein und fahren gemeinsam mit meinem "Dalslandpartner" Andreas und seinem Sohn Michael nach Meissen. Dieser Tag steht unter dem Motto "Dresden aus der Wasserperspektive". Vor dem Blauen Wunder nehme ich Haltung an, denn es geht vorbei an der Schillerschule, deren Bänke ich vor 55 Jahren gedrückt habe. Nach den Elbschlössern tangieren wir den berühmtesten Brückenbauplatz Deutschlands, bevor sich uns das klassische Panorama der dresdner Innenstadt eröffnet. Bald grüßen schon die Weinberge von Radebeul, Zeichen dafür, daß das Ende unser Gepäckfahrt naht. Am Kilometer 82, zwischen den beiden Brücken in Meissen steigen wir aus.
46km Moldau, 105,8km tschechische Elbe und 82km Elbestrom in Sachsen = eine Superwoche!





Fotostrecke, siehe"Bilder"


Autor rdoering um 17:38 | Kommentare (1) | TrackBacks (0)
Kommentare
aktuelles Fahrtenbuch




geschrieben von: Detlef am 05.05.2009 um 09:41
Trackbacks
Please send Bracktack to:http://www.kanu-verein.de/homepage/0700berichte/weblog/259/tbping
Keine Trackbacks.
Kommentar schreiben