Die große Thorner Schleife – Petla Thorunska (Autor Rainer Döring)
Die Petla Thorunka finden wir im NW Polens, es handelt sich um einen 500km langen Rundkurs, den man gut Nutzen kann um einen ereignisreichen und erholsamen Paddelurlaub zu machen. In diesem Jahr haben wir uns von der Schönheit von Westpreußen und des Ermlandes überzeugt.
Am 29.7. haben wir unsere Boote im Chelmno(Kulm) in die Weichsel eingesetzt.
In allen Erzählungen und Berichten wurde uns eine träge fließende Weichsel avisiert. Angetroffen haben wir einen „Big River“, das Weichselhochwasser sorgte für eine flotte Strömung, nur der permanente Gegenwind, sorgte für hohen Wellengang.

Über die Station Grudziądz(Graudenz) erreichten wir am zweiten Tag unserer Tour die Schleuse zum Nogat. Auf diesem strebten wir unserem ersten Ziel, der Marienburg(Malbork) zu. Gigantisch was hier der Deutsche Orden geschaffen hat, bewundernswert wie gut die Burg heute wieder restauriert ist. Nach einem Erlebnistag vor Ort ging es über die Nogat und den Jablinskikanal Elblag(Elbing) entgegen, wo ein sehr freundlicher Campingplatz zum Übernachten einlädt. Gespannt paddeln wir den nächsten Tag los, denn uns erwartet ein einmaliges techn. Denkmal, die 5 „Rollberge“ des Oberländer Kanals.

Seit 1846 werden hier die Schiffe und Boote mittels Wasserkraft, auf Wägen über Land nach Oben oder Unten, jeweils zum nächsten Kanalabschnitt transportiert. Wenn man in Elbing früh startet, schafft man es an einem Tag über alle Berge zu kommen. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass eine günstige Übernachtungsmöglichkeit vor der letzten Schleppe liegt(Camping links). Wir haben diesen erst gesehen, als wir schon auf dem Wagen waren, was dazu führte, dass wir nach weiteren zwei Stunden Paddelarbeit gegen 20.30 ein Notbiwak aufschlugen, den weder rechts oder links, war nur ein Ausstieg im Schilf erkennbar. In Richtung Ostroda(Osterrode) wird das Wasser offener, wir paddeln nun mehr auf Seen und finden Aufnahme in einem polnischen Kinderferienlager zur Übernachtung. Am nächsten Tag müssen wir uns Entscheiden, entweder kann man über die Eylauer Seenplatte und die Ilawa oder über den Hauptkanal zu Drewenzsee weiterpaddeln. Wir entscheiden uns für die zweite Variante um Osterode zu tangieren, wo wir beim Kanuklub Sokol eine Wiese zum Zelten finden. Wie wir sehen eignet sich das örtliche Gewässer gut zum trainieren, Kanuten aus verschiednen Ländern pflügen sich täglich durch das Wasser, während wir relaxen und die polnische Küche genießen.

Nach 12km Seepaddeln auf dem langgezogenen, herrlichen Drewenzsee suchen wir den Auslauf zur Drweca. Wir haben Glück und gleich beim ersten Anlauf hatten wir den richtigen Riecher. Nach einer Stunde erreichen wir das erste Wehr und stehen vor einem Problem. Der Führer avisiert uns eine Umtrage über die Bahngleise, ja so etwas gibt es in Polen – Böschung hoch, schauen das links und rechts kein Zug kommt, schnell über die Gleise und dann wieder die steile Böschung nach unten. Bei der Erkundung finden wir einen stinkenden toten Fuchs auf den Gleisen, was uns anregt nach einer anderen Lösung zu suchen. Mittels zweier 15m langen Leinen und einer ausgeklügelten Wurf und Schleudertechnik schaffen wir es, die Boote über das rechte Schott und unter der Brücke hindurch zu bugsieren. Die nächsten 170 km begegnen uns nur ein paar Baumhindernisse, die aber alle gut umfahrbar waren. An der Drwenca finden wir herrliche Biwakplätze zum Übernachten, teils in Ortschaften(Neumark, Golub) meißt jedoch in freier ungestörter Natur. Jeden Tag genießen wir den mäanderten Fluss, der schier unendlich sich durch die Landschaft schlängelt. Für uns bedeutet das teilweise, dass man manch Bauwerk von allen Seiten kennenlernt. Im Unterlauf der Drweca findet man nochmals zwei Wehre, die beide Umtragen werden müssen. In diesem Abschnitt muss man etwas aufmerksam bei der Auswahl der Biwakplätze sein. Vor den beiden Wehren sehen wir rechts einen prachtvoll angelegten Platz, der im DKV-Führer nicht vermerkt ist, den wir jedoch ignorieren, da im Führer noch zwei weitere Plätze eingezeichnet sind. Leider Fehlanzeige, wir entscheiden uns bis zur letzten Möglichkeit, dem Platz an der Mündung zur Weichsel weiter zu Paddeln. Spät erreichen wir den Platz. Etwas beschwerlich ist die Aussatzstelle, dafür stehen wir auf einem herrlichen Aussichtspunkt, den neben uns noch tausende von Mücken genießen. Ein schnelles Hobo-Feuer hilft ein wenig.

Noch 10 km bis Thorun(Thorn), lautet das Motto am nächsten Tag. Dieser sehenswerten Stadt wollen wir einen Besuch abstatten. Nach der langen Mauer, die das Ufer begrenzt finden wir hinter der Brücke eine gute Aussetzstelle. In einer Konditorei werden verbrannte Kohlehydrate wieder regeneriert ehe wir uns unter die Touristen mischen.
Am Abend paddeln wir noch ein Stück aus der Stadt heraus, nach 20 km haben wir uns dann endlich auf einen Biwakplatz geeinigt. Langsam geht unsere Fahrt zu Ende. Noch zwei Tage Paddelarbeit bis Kulm, noch ein Biwak. Auf diesem Abschnitt sind wir den einzigen Gepäckfahrern auf der gesamten Strecke begegnet, einen Weltenbummler aus Cottbus (Gummiboot Helios, Donau- und Mekong erprobt) und Andreas vom KC Menden, nach dem wir schon die ganze Tour Ausschau gehalten haben. Gemeinsam paddeln wir das letzte Stück, bevor sich die Wege wieder trennen. Wir sind am Ziel. Drei Stunden Packen, zwei Stunden Duschen im nahen Hotel und die Küche genießen.
Eine tolle Runde ist zu Ende gegangen. Abwechslungsreiches Paddeln auf großen und kleinen Flüssen, offenen Seen, Naturreservaten, durch ruhige Natur, sehenswerten Städten lassen nie Langeweile aufkommen. Hilfsbereite und freundliche Menschen, nette Begegnungen tragen ihr Übriges zum Gelingen und Wohlbefinden bei.
Wir kommen wieder, denn hier ist es nicht nur schön, sondern es warten noch viele, viele Paddelmöglichkeiten auf uns.
Natürlich stehen wir mit Informationen über Parkmöglichkeiten, Biwakstandorten usw. gern bereit.


